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Geschichte der Klinik und Krankenpflege in Gunzenhausen


1351
Die Stiftung des ersten Krankenhauses in Gunzenhausen, die den Namen "Heilig Geist" trug, ist auf das Jahr 1351 datiert und fällt in die Zeit nach den Kreuzzü-
gen, in der Einrichtungen dieser Art weit verbreitet waren. Das Spital samt dazu-
gehöriger Kirche wurde durch Burkhard von Seckendorff aus der Linie Jochsberg gegründet, der bereits zwei Jahre zuvor Gunzenhausen von den Grafen von Oet-
tingen erworben hatte. Die Bestätigung der Stiftung durch den Eichstätter Bi-
schof Berthold legt nahe, dass die Stiftung nicht nur soziale, sondern auch religiö-
se Hintergründe hatte. So sollte die Einrichtung zum Beispiel auch zur Mehrung des Gottesdienstes beitragen. Das Spital wurde außerhalb der schutzbietenden Stadtmauern gebaut, was vermutlich zwei Ursachen hatte: einerseits die Nähe zur Altmühl, die einen höheren Grad an Hygiene bot und andererseits die günstige Lage an der häufig von Pilgern genutzten Straße ins Ries, Richtung Süden.

1368
Im Laufe der Zeit vergrößerte sich der Grundbesitz des Spitals durch zahlreiche Ankäufe und weitere Stiftungen; diese gewährleisteten infolgedessen die wirt-
schaftliche Selbstständigkeit des Spitals. Die Verwaltung der Stiftung und ihres Vermögens oblag den eigens dafür eingesetzten Spitalpflegern, die von den Gun-zenhäuser Bürgermeistern und Räten bestimmt wurden.

15. Jahrhundert
Im 15. Jahrhundert wurde das "Seelhaus" gegründet, eine Art Krankenhaus, das in der heutigen Kirchenstraße lag und damals als Schwesternheim diente. Bewohnt wurde das Heim von Frauen, die in ordensähnlicher Form Krankenpflege ausübten und insbesondere in der Hauskrankenpflege tätig waren. Nach Aufzeich-
nungen des "Salbuchs" lagen die Einnahmen des Spitals zu dieser Zeit bereits deutlich über den Einnahmen der Stadtkirche.

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1618 - 1648
Im Dreißigjährigen Krieg litt auch Gunzenhausen unter den Folgen des Krieges und musste zahlreiche Einquartierungen und Plünderungen erdulden. Am schwer-wiegendsten zählt die Besetzung durch die ligistischen Truppen unter dem Befehl des Grafen Johann Tserklaes von Tilly im November 1631. Dabei gingen viele Do-
kumente aus der Rathausregistratur verloren, vermutlich auch der Originalstif-
tungsbrief des Spitals von 1351. Infolge der harten Kriegsjahre herrschten Not und Hunger, so dass viele Bauernhöfe und Anwesen, die im Besitz des Spitals waren, unbewohnt blieben und die Einnahmen des Spitals auf ein Minimum sanken. Da der Rat über keine eigenen finanziellen Mittel mehr verfügte, wurden städtische Bedienstete aus dem Restvermögen der Stiftung bezahlt. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts verbesserte sich die finanzielle Lage wieder und ein Neubau der baufälligen Spitalkirche war möglich.

1761
Am 3. März 1761 folgte schließlich auch die Erneuerung und Erweiterung des Spitals um acht Stuben und sechs Kammern durch den markgräflichen Bau-
meister Johann David Steingruber.

1808
Mit der Annexion des Fürstentums Brandenburg – Ansbach durch das Königreich Bayern fiel die Verwaltung der Stiftung an eine eigens eingerichtete zentrale Stif-
tungsadministration. Diese hatte ihren Sitz zunächst in Gunzenhausen, später in Herrieden und zuletzt in Dinkelsbühl, bevor 1818 dem Stadtmagistrat wieder das Selbstverwaltungsrecht über die Stiftung zugesprochen wurde.

1829
Auf Betreiben des Stadtschreibers Johann Heinrich Frauenknecht wurde 1829 eine Versorgungsanstalt für kran-
ke Handwerksburschen und Dienstboten ins Leben gerufen, durch die sich auch die Krankenpflege in der Stadt und in den umliegenden Dörfern verbesserte.


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1860
Mitte des 19. Jahrhunderts richtete die Stadt Gunzenhausen in der Bahnhof-
straße ein "Bauernspital" ein, ein be-helfsmäßiges Krankenhaus, das neben dem Stadtkranken auch Patienten aus der Umgebung aufnahm. Da dieses Kranken-haus aber weder einen Operationssaal noch ein Untersuchungszimmer besaß, mussten Schwerkranke oder Schwerverletzte immer noch in die größeren Krankenhäuser nach Nürnberg oder Ansbach gebracht werden, was bei den damaligen Transportbedingungen häufig den Tod bedeutete.

1870/71
Im DeutschêFranzösischen Krieg wurde die Nachfrage nach einem modernen Krankenhaus von Seiten der Ärzteschaft immer größer, da die beengten Räum-lichkeiten im städtischen Spital und im Bauernkrankenhaus die Einrichtung des benötigten Reservelazaretts unmöglich machten.

1898

Am Ausgang des Jahrhunderts kam es schließlich zur Errichtung des Distrikt-
krankenhauses in der Luitpoldstraße, das seit der Einweihung am 30.12.1898 als vom Spital unabhängige Institution bestand.

1919
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Krankenhaus mit einem modernen Ope-rationssaal, einer Röntgenanlage und einer Anstaltsküche ausgestattet, um der rasch anwachsenden Bevölkerung gerecht zu werden.

1946
Doch schon nach dem Zweiten Weltkrieg waren erneut Erweiterungen hinsichtlich Bettenzahl und Gebäudevergrößerung nötig. Durch den Umbau wurde das Krankenhaus zu einem der modernsten Kran-
kenhäuser in Bayern.

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1958
Die 1958 eröffnete Krankenpflegeschule bestand zunächst aus nur einem Kurs mit 10 bis 12 Schülerinnen, die während der Dienstzeit unterrichtet wurden. We-
nig später wurden zwei und kurz darauf drei Kurse eingeführt, deren Unterricht in Neuendettelsau abgehalten wurde. Bereits 1959/60 erwies sich das 1898 erbaute Distriktkrankenhaus durch das rasche Ansteigen der Einwohnerzahlen in Gunzenhausen als zu klein. Auf Anra-
ten des Krankenhausreferenten des Ba-
yerischen Innenministeriums entschied sich der Kreistag für einen Neubau am Reutberg.

1972
Als am 1.1.1972 das Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenpflegesätze in Kraft trat, hatte das die finanzielle Entlastung des Landkreises und die Übernahme des größten Teils der Investitionskosten durch den Freistaat Bayern zur Folge. Am 28. 6.1972 erteilte das Landratsamt Gunzenhausen die Baugenehmigung und die symbolische Grundsteinlegung konnte noch vor der Auflösung des Landkreises Gunzenhausen stattfinden. Durch die Landkreisreform ging die Kompetenz für den Neubau auf den Landkreis Weißenburg ê Gunzenhausen über und machte die Verwirklichung des Bauvorhabens schließlich möglich.

1976
Nach einem Zeitraum von mehr als drei Jahren konnte das Bauvorhaben abge-schlossen und das im "Gruppenpflege-system" erbaute Krankenhaus am 2.11.1976 bezogen werden. Neuerungen waren unter anderem zentrale Dienste, wie Zentralsterilisation, Tablettsystem bei der Speisenversorgung, Bettenzen-trale, individuelle Ganzheitspflege und die Unterbringung der Krankenpflege-schule im Personalwohngebäude.
Während die praktische Ausbildung der Krankenpflege im Kreiskrankenhaus Gun-
zenhausen stattfand, wurde die theoretische Ausbildung in der Krankenpflege-
schule in Neuendettelsau abgehalten. Durch das Inkrafttreten des neuen Kran-
kenpflegegesetzes 1985 erhöhte sich die Zahl der Unterrichtsstunden. Deshalb mussten zusätzliche Studientage installiert werden. Da jedoch die erforderlichen Räumlichkeiten in Neuendettelsau nicht vorhanden waren, wurde im Herbst 1986 der erste Kurs von Neuendettelsau abgekoppelt und separat in Gunzenhausen un-
terrichtet, wo seitdem die theoretische und die praktische Ausbildung stattfinden. Die Trägerschaft der Schule verblieb weiter beim Diakoniewerk Neuendettelsau.

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1984
In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Neuerungen eingeführt, wie zum Bei-spiel die Umstrukturierung der Pflegegruppen zu Stationen, um die Organisation zu optimieren. Die Verkürzung der Verweildauer, als Folge des neuen Kranken-hausstrukturgesetzes, führte zur Integration der Neugeborenenabteilung in die Station Gynäkologie/Geburtshilfe im Juli 2000. Dadurch konnte das individuelle "Rooming-In-System", das den Kontakt von Mutter und Kind jederzeit ermöglicht, neu intensiviert werden. Damit Dialysepatienten ihren Urlaub auch im fränkischen Seenland verbringen können und der Bedarf an Dialyseplätzen in der Region ge-deckt wird, erfolgte im November

1997
die Eröffnung der Dialysestation. Zur Sicherung und Verbesserung der medizi-nischen Versorgung in unserem Krankenhaus wurde 2000 ein eigenes Computer-tomographiegerät eingerichtet. Die Durchführung der Computertomographie er-folgt in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg. Die Daten werden mittels mo-derner Technik, per Fax oder E-Mail übermittelt. Am 01.01.2002 wurden die Kreis-krankenhäuser Weißenburg und Gunzenhausen zu einem Kommunalunternehmen unter der Trägerschaft des Landkreises zusammengelegt. Sie führen nun den Na-men "Kliniken des Landkreises Weißenburg - Gunzenhausen". Aus wirtschaftlichen Aspekten werden die Fachkompetenzen in der Medizin unter beiden Klinken auf-
geteilt. Dabei wird der Schwerpunkt in Gunzenhausen im chirurgischen Bereich auf die Fachdisziplinen Unfallchirurgie und Wiederherstellungschirurgie gelegt.

Viszeralchirurgie und Gastro-Enterologie werden bis zum Ausscheiden der Chef-
ärzte weitergeführt. Im Fachbereich "Innere Medizin" ist der Schwerpunkt in Kar-
diologie geplant. Alle weiteren Fachabteilungen wie HNO, Augenheilkunde und Gy-
näkologie werden wie bisher durch die Belegärzte abgedeckt. Auch in Zukunft ist stetige Innovation, bestmögliche Pflege und Betreuung für den Menschen die Ziel-
setzung der Klinik in Gunzenhausen. Daneben ist die Philosophie unseres Hauses, für die Beschäftigten eine Arbeitsstelle zu garantieren, an der sie sich wohlfühlen.

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